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Karriere   Das Bewerbungsgespräch
22.02.2005 von Greenbond

Gut informiert ist halb gewonnen

Verschaffen Sie sich alle wichtigen Informationen über Aktivitäten, Erfolg und Unternehmenskultur Ihres Wunscharbeitgebers. Viele Konzerne präsentieren sich im Internet. Weitere ergiebige Quellen sind: Handelsregister, Wirtschaftsverbände, Zeitungsarchive. Manche Banken haben öffentlich zugängliche Archive mit Presse- und Geschäftsberichten ihrer Kunden.
Achten Sie besonders auf aktuelle Probleme und Projekte des anvisierten Arbeitgebers, auf die sie im Gespräch vielleicht eingehen können.

Wenn Sie in einer Bank arbeiten möchten, betreten Sie ruhig einmal die Schalterhalle als vermeintlicher Kunde. Üben Sie "Method acting" auch am Telefon: Die Presseabteilung großer Unternehmen schickt Ihnen Material, wenn Sie wichtig genug wirken.

Mögliche Fragen, mögliche Antworten

Gehen Sie Ihre Unterlagen noch einmal genau durch, überlegen Sie, an welchen Stellen der künftige Chef eventuell mehr wissen will, was erklärungsbedürftig sein könnte. Bereiten Sie Antworten vor.

Denken Sie dabei nicht nur an schlechte Zeugnisnoten oder Lücken im Lebenslauf. Wenn Sie etwa Bergsteigen als Hobby nennen, rechnen Sie damit, dass man Sie nach Ihren bevorzugten Wandergründen fragt oder nach gefährlichen Erlebnissen und wie Sie sie gemeistert haben. Überlegen Sie vorsorglich auch, mit welchem Lieblingsbuch Ihr zukünftiger Arbeitgeber Sie identifizieren soll ...

Selbstbewusstsein aufbauen

Stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein, indem Sie alle Dinge, die Sie in Ihrem Leben, beruflich oder privat erreicht haben, aufschreiben. Machen Sie sich klar, warum Sie gut sind und dementsprechend die erste Wahl für den Wunschjob. Vergleichen Sie das Stellenprofil mit ihrem Qualifikationsprofil. Lesen Sie diese Notizen öfters durch, damit Sie sie für das Vorstellungsgespräch verinnerlichen.

Pauken Sie keine Formulierungen, aber üben Sie ruhig einmal laut Antworten auf kritische Fragen. Checken Sie vor dem Spiegel Mimik und Gestik. Wer mit den Fingern trommelt oder die Brille ständig abnimmt, wirkt nervös und aggressiv.

Kleider machen Leute

Planen Sie die Kleiderfrage rechtzeitig. Ein einheitlicher Dresscode existiert nicht, alles geht, solange es gepflegt wirkt und Sie sich darin wohl fühlen. In der Banken-, Versicherungs- und Beraterbranche kommt eine konservative Garderobe nach wie vor gut an, bei kreativen und innovativen Berufen ist der klassische Business-Look eher out.

Wenn Sie sich für das Bewerbungsgespräch neu einkleiden, tragen Sie das Outfit vorher mindestens einmal. So wirkt es weniger steif und Sie wissen, ob Sie sich dauerhaft darin wohl fühlen. Auf dem Weg zum Gespräch festzustellen, dass der Rock zu kurz ist oder die Hose beim Sitzen kneift, verunsichert zusätzlich.

Bleiben Sie möglichst dezent. Die Primadonna ist wenn, dann der Personalchef. Vermeiden Sie also tunlichst, ihn mit Ihrem neuesten Armani-Jackett in den Schatten zu stellen. Übertriebenes Understatement verkürzt Ihr Engagement bei der Firma allerdings ebenfalls.

Auch bei der Frisur ist der Schnitt nicht so entscheidend wie die Gepflegtheit. Sehr lange Haare bei Männern kommen bei vielen Personalchefs nicht gut an, ebenso wenig wie dick aufgetragene Schminke, auffälliger Schmuck und aufdringliches Parfum beim weiblichen Geschlecht.

Wer zu spät kommt ...

Pünktlichkeit beim Vorstellungstermin ist oberstes Gebot. Wer zu spät kommt, den bestraft die Personalabteilung. So lächerlich es klingt: Machen Sie sich deshalb vorher mit dem Anfahrtsweg vertraut. Kümmern Sie sich um die Fahrzeiten von Bus und Bahn und planen Sie auch das letzte Stück zu Fuß mit ein.

Eine Verspätung verursacht einen schlechten Einstieg, zumal Ihr Gegenüber in der Regel nur begrenzt Zeit hat. Anderseits sollten Sie Ihre Gesprächspartner nicht schon eine Stunde vor dem vereinbarten Termin überraschen � viel mehr als zehn Minuten zu früh sollte man nicht erscheinen.

Die entscheidenden Sekunden

Viele Psychologen sind davon überzeugt, dass sich in den ersten zehn Sekunden einer Begegnung entscheidet, ob der Gesprächspartner als sympathisch oder nicht, passend oder nicht, empfunden wird. Was das Gegenüber mit dem ersten Eindruck aufnimmt, ist nachher schwer zu revidieren.
Seien Sie freundlich, ohne überschwänglich zu wirken. Blicken Sie dem Gesprächspartner offen in die Augen, ohne zu starren. Lächeln Sie und warten Sie ab, bis der Interviewer Ihnen die Hand reicht, drücken Sie diese fest, ohne zu quetschen.

Achten Sie auf Distanz: Wer dem Gesprächspartner zu dicht auf die Pelle rückt, weckt Aggressionen.

Der Anfang ist leicht

... denn das Skript kennen Sie � zumindest dann, wenn Sie sich gründlich vorbereitet haben und das Unternehmen professionell vorgeht. Nach kurzem Eingangsgeplänkel ist Ihr erster Monolog zum Thema "Mein Werdegang" fällig. Schwaflertypen sind in der deutschen Wirtschaft unbeliebt. Kalte Fische allerdings auch; deshalb sollte man nicht kurzangebunden und nüchtern wirken. Wolfgang Lichius von der Kienbaum Personalberatung: "Gehen Sie auf die Situation ein, und verlieren Sie sich nicht in Details."

Marketing in eigener Sache

Den weiteren Dialog bestimmt das Unternehmen. Der Personalentscheider schöpft oft aus einem reichen Repertoire an Standardfragen, die sich in jedem guten Anleitungsbuch zum Vorstellungsgespräch finden. Ihre spontanen Antworten können Sie daher von langer Hand planen. Besonders auf zu erwartende stressige Fragen, etwa Lücken im Lebenslauf, sollten Sie sich vorher eine überzeugende Antwort zurechtlegen.

Bleiben Sie dabei glaubwürdig. Märchen erzählen fällt auf, wenn die Aussagen nicht zu Ihrem Persönlichkeitsprofil passen; sprich, nicht authentisch wirken. Und Vorsicht: Manche Unternehmen holen sich Referenzen bei Ex-Arbeitgebern, Lehrern oder Professoren.

Mit klugen Fragen punkten

Professionelle Interviewer führen strukturierte Bewerbungsgespräche und wollen präzise, klare und ehrliche Antworten. Doch auch mit klugen Fragen lassen sich Punkte sammeln. "Warum-Fragen" sollten Sie vermeiden, sie klingen leicht nach Kritik. Besser sind offene Fragen, die mit "Wer", "Was" oder "Wie" beginnen und eine längere Auskunft erfordern.

Sie dürfen und sollen Fragen stellen, die für Ihre Entscheidungsfindung wichtig sind und noch nicht im Laufe des Gesprächs geklärt wurden. Erkundigen Sie sich allerdings nicht als Erstes nach Urlaubsgeld und -anspruch oder Gleitzeit. Fragen Sie zum Beispiel, mit wem Sie zusammenarbeiten werden. Gern gesehen sind auch Interesse an Unternehmensstrategien, Entwicklungsmöglichkeiten, Einordnung der Stelle im Organigramm. Hilfreich ist es, eine Liste von Fragen schon vor dem Vorstellungsgespräch zu erstellen, da man in der Aufregung sonst die Hälfte vergisst. Übrigens: Unterlagen dabeizuhaben, wirkt nicht unsicher, sondern professionell.

Vielleicht spielen Sie aber auch nur eine Statistenrolle. Manch ein Personalchef sucht statt eines Mitspielers nur ein Publikum. "Vielredner fühlen sich wohl, wenn ihnen mit Interesse und aktiv zugehört wird", erklärt Karriereberaterin Sabine Hertwig. "Oft werden Kandidaten eingestellt, die ein schlechtes Gefühl haben, weil sie gar nicht zu Wort gekommen sind."

Motivation zeigen

Ihr zukünftiger Arbeitgeber wünscht sich, dass seine Stelle Ihre erste Wahl ist. Erklären Sie deshalb, warum Sie gerade dieses Unternehmen so interessant finden, warum Sie gerade dort Ihre beruflichen Ziele besonders gut verfolgen können. Vergessen Sie nicht: Die Unternehmensziele sind auch Ihre Ziele. Erklären Sie, warum gerade Sie die Firma oder die Abteilung nach vorne bringen können.

Über den Tellerrand schauen

Wo wollen Sie in fünf Jahren stehen? Auch diese Frage gehört zum Standardrepertoire der Personalchefs. Man will wissen, ob Sie Perspektiven für sich selbst haben und ob sich diese mit den Vorstellungen des Unternehmens decken. Längerfristige Planung ist in verantwortlichen Positionen unerlässlich, nur so sind Reichweite und mögliche Konsequenzen von Entscheidungen absehbar.

Ihre Stärken, Ihre Schwächen

Auch eine beliebte Frage: Welches sind Ihre besonderen Stärken, wo sehen Sie Ihre Schwächen? Hinreichend bekannt ist der Trick, Schwächen zu nennen, die auch als Stärken interpretiert werden können: Ungeduld etwa oder Perfektionismus. Langweilen Sie den Personaler nicht mit solchen Standardphrasen, aber seien Sie vorsichtig.

So warnt Karriereberaterin Sabine Hertwig: "Wenn Sie wie aus der Pistole geschossen bekennen, dass Sie Probleme haben, Ordnung zu halten, haben Sie ausgespielt." Ein bisschen Futter müsse man zwar schon hinwerfen, aber das sollte vorsichtig dosiert sein. Renate Gutbrod, ebenfalls Karriereberaterin bei Baumgartner Media, empfiehlt schaumgebremste Geständnisse wie: "Ich bin sehr kreativ, manchmal auch etwas unordentlich." Am besten dann noch abgemildert durch den Zusatz: "Aber meine Termine halte ich immer ein."

Versuchen Sie, Ihre Persönlichkeit überzeugend darzustellen. "Wer versucht, eine Rolle zu spielen, scheitert in der Regel", warnt Wolfgang Lichius von der Personalberatung Kienbaum. Denn ein aufgesetztes Verhalten lasse sich kaum über mehrere Bewerbungsrunden konsequent und glaubwürdig durchhalten.

Soziale Kompetenz ist unerlässlich

Häufig werden Bewerber danach gefragt, wie sie mit den Ex-Kollegen und Vorgesetzten zurechtkamen. Ziehen Sie bloß nicht vom Leder. Man wird Sie für schwierig und im Ernstfall nicht für teamfähig halten.

Nennen Sie möglichst objektiv positive und negative Seiten Ihrer alten Arbeitsstelle: etwa mangelnde Fortbildungs- oder fehlende Aufstiegsmöglichkeiten. Das sind gute Gründe, eine Arbeitsstelle zu verlassen. Versäumen Sie aber nicht, auch etwas Positives zu erwähnen: das gute Betriebsklima zum Beispiel.

Worüber man nicht spricht

Nur noch selten steigern Personalchefs das Lampenfieber der Jobanwärter mit dreisten Unterstellungen oder unerlaubten, unangenehmen Fragen. Dann heißt es cool und zumindest vorübergehend freundlich bleiben. Man will von Ihnen wissen, ob Sie homosexuell, schwanger oder pervers sind? Dann fragen Sie einfach zurück, ob das Voraussetzung für den Job sei.

Geht die "Spanische Inquisition" weiter, sollten Sie überlegen, ob Sie in diesem Theater Ihre Zukunft sehen. Stressinterviews zeugen meist von einer unangenehmen Unternehmenskultur.

Unzulässig sind Fragen nach
Parteizugehörigkeit
Heirat
Kinderwunsch
Austritts- oder Kündigungsgrund im früheren Unternehmen
Öffentlichen Ämtern und Ehrenämtern
Mitgliedschaft in Vereinen und Verbänden
Religionszugehörigkeit
Vorstrafen
Schwangerschaft
Gewerkschaftszugehörigkeit
Vermögensverhältnisse

Über Geld spricht man schon

Etwa ein Drittel aller Bewerber wird auf Grund zu hoher Gehaltsvorstellungen abgelehnt. Erkundigen Sie sich deshalb bereits im Vorfeld über die branchenüblichen Gehälter für die Position, die Sie einnehmen wollen. Bietet man Ihnen etwas weniger, verhandeln Sie, aber bestehen Sie im Zweifelsfall nicht auf das Mehr. Machen Sie die Differenz lieber zum Thema des ersten Gehaltsgespräches mit ihrem neuen Chef, wenn Sie den Job bekommen haben.

Neue Runde, neues Glück

Zum Ende des Gesprächs sollte geklärt werden, wer sich wann beim anderen meldet. Folgt dem höflichen "Wir kommen auf Sie zu" eine förmliche Absage, grämen Sie sich nicht. Wir sind nicht auf der Welt, es allen Menschen recht zu machen. Analysieren Sie im Nachhinein, was Sie hätten besser machen können und lernen Sie so für das nächste Gespräch.

Literatur

Bewerbung; das Geheimwissen der Personalberater und Testpsychologen und die Strategien dagegen.
Die Denkhalle OHG, Düsseldorf, 2000

Göpfert G.: Die argumentative Bewerbung
Beck/dtv, München 1995

Bellgardt P.: Recht und Taktik des Bewerbungsgespräches
Sauer Verlag, Heidelberg, 1992

Siewert H.H.: Bewerben per Telefon
MVG, München/Landsberg/Lech, 1988

Quelle: http://focus.msn.de/D/DB/DBD/DBDA/dbda.htm ff.


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